Montag, 18. Januar 2010

Willkommen, Mr. Anderson...

Wie versprochen möchte ich hier kurz darüber aufklären, wie man im Supermarkt manipuliert wird, um möglichst viel zu kaufen. Ich erwähne hierbei lediglich mal die grössten Punkte.
Denkt dran; Ihr seid nicht König - ihr seid die eierlegende Wollmilchsau des Kapitalismus.

Trick 1 - Die Ladenführung
Die Ladenführung ist quasi die "Umlaufrichtung" des Ladens.
Wenn man also beim Eingang links entlang geht, ist dies eine linke Ladenführung, geht man rechts, ist es, oh wunder, eine rechte Ladenführung, welche am häufigsten vorkommt.
Wieso? Weil der Mensch von Natur aus einen kleinen "Rechtsdrall" hat, er neigt also dazu gerne etwas nach rechts zu laufen und auch an Wänden entlang. Darum sind auch die meisten Läden so aufgebaut. Wenn ihr vom Eingang weg nach rechts geht und der Wand folgt, werdet ihr in ziemlich allen grossen Ketten an allen wichtigen Warengruppen vorbeikommen.
Der Zweck? Dadurch kann man den Hauptkundenstrom sehr gut lenken. würde man dies nicht so tun, würden Kunden kreuz und quer laufen - es wäre daher sehr schwer, geeignete "Frontplätze" zu finden die den absatz sichern.

Trick 2 - Das Layout
Das Layout ist schon etwas raffinierter.
Grundsätzlich gilt hier: Die teuersten Produkte befinden sich auf Augenhöhe und/oder rechts im Regal. Zuunterst oder zuoberst befinden sich die normal- bis tiefpreisigen Produkte. Der Grund dürfte hier klar sein - auf Augenhöhe sieht man zuerst. Rechts greift man zuerst.
Also Augen auf.

Trick 3 - Warenpräsentation
Der grösste "Köder" in den Läden sind die sogenannten Warenpräsentationen.
Also quasi die "Ausstellungen" die man immer wieder sieht, diese Sonderangebote. Hier haben die meisten Läden an den Stirnseiten der Regale "Fronten", auf denen sie diese Warenpräsentationen ausstellen.
Mit Singalfarben (bei Aktionen häufig Gelb oder etwas in rot) lenkt man erstmal die Aufmerksamkeit der Kunden auf die Front, die Masse der Ausstellung tut das Übrige.
Und die Aktionen sind meist so gewählt, dass der Kunde dazu verleitet wird, mehr zu kaufen als sonst. Meist sind Produkte in Multipacks Aktion (3 für 2 etc.), wodurch der Kunde gerne mal "eins mehr nimmt".

Trick 4 - Die Kassenzone
In der Kassenzone geht alles etwas langsamer voran als im Laden - Wartezeiten an der Kasse kennt ja jeder. Dies wird auch genutzt; Tiefpreisige Produkte zur Zwischenverpflegung wie Kaugummis und süsses, sowie Erfrischungsgetränke schreien den wartenden Kunden förmlich zu.

Trick 5 - PR & Werbung
Ich glaube ich muss hier nciht allzu viel ausführen.
Die geneigten Leser werden wohl wissen, dass die Lebensmittelkonzerne gerne mal das Blaue vom Himmel lügen wenn es um ihre Produkte geht.
Hingegen versuchen sich die Detaillisten (dt. Einzelhändler) immer als möglichst sozial, ökonomisch und fair hinzustellen. Meine Firma verschleudert Millionen dafür, Co2 einzusparen - und wälzt es schlussendlich auf uns als Mitarbeiter ab.
Viele Detaillisten machen zwar lobenswerte Dinge (teils!), aber von so etwas darf man sich auf keinen Fall beim Einkaufen beeinflussen lassen - egal wie "ökonomisch" der Laden seine Produkte herstellt.

Trick 6 - Musik & Spots
Ja, selbst die Musik beeinflusst den Konsumenten - und zwar durchweg positiv. So wird in Supermärkten zumeist eher ruhige Musik eingestimmt, die häufig eher gitarrenbetont ist (bzw. stimmbetont), "gewürzt" mit einer Prise peppiger Lieder.
Spots sind die Durchsagen die immer wieder in der Durchsage kommen in denen irgendwelche Produkte angeboten werden ("Heute Äpfel 2,0 Kilo nur...") - ignorieren und an die Einkaufsliste halten.

Trick 7 - Die Freundlichkeit
Ja, selbst die Freundlichkeit ist zumeist nur ein weiteres Mittel zum Umsatz.
Selbstverständlich müssen wir auch zum unfreundlichsten Kunden der Welt freundlich sein und unser bestes Zahnpastalächeln aufsetzen - sonst geht er ja morgen "da drüben" einkaufen.
Allerdings gibt es auch ehrliche Freundlichkeit - aber leider viel zu selten in diesem Beruf.
Deshalb gilt auch hier; Nichts kaufen "der Freundlichkeit" wegen.

Trick 8 - Die Beratung
Einige Verkäufer haben hier die "ich verkauf das teuerste oder versuche es"-Taktik. Heisst soviel wie: Ihr fragt nach einem Parmesan-Käse, wollt eigentlich nur einen günstigen, und der Verkäufer berät euch ,erkundigt sich und empfiehlt euch dann den "original Parmesan-Käse in Parmesan gereift" - der natürlich das vierfache vom günstigen Produkt kostet. Weil man den Verkäufer nach der Beratung ja nicht "enttäuschen" will, kauft man ihn halt.
Hier ist es, wie sonst auch, schlauer das Etikett des Produktes zu Rate zu ziehen. auch ein Billig-Parmesan kann besser sein als das "Original".

Trick 9 - FiFo
Zusammenhängend mit dem Warenfluss gilt in jedem Laden der Welt wohl das FiFo-Prinzip:
First in, First out.
Kurz gesagt heisst das, dass die Artikel, die zuerst reinkommen (First in/ die Ältesten Produkte) zuvorderst kommen, und die werden auch zuerst verkauft. Die neue Ware muss sorgsam hinter der Alten eingereiht werden.
Es ist vielleicht nur ein kleiner Trick - aber vorallem bei Frischprodukten wie Fleisch kann sich ein Blick/Griff nach hinten lohnen.
Anmerkung: In den Früchte & Gemüseabteilungen wird am Morgen erst das "alte" Gemüse und Früchte von gestern/vorgestern verkauft und vorher natürlich noch zurecht geschnitten.
Gegen den späten Nachmittag sollte zumeist die alte Ware verkauft sein und sich langsam das frisch angelieferte im Regal befinden.
Ich erwähne das vorallem wegen des vitamingehaltes der kontiunierlich abnimmt. Ein Kopfsalat der am Morgen frisch kommt ist nicht so nährstoffreich wie der, der vor 2 Tagen schon rumlag.
Meine Empfehlung: Tiefkühlgemüse.
Kauft hier aber "nature", also ungewürztes! Und achtet wie immer auf die Zutatentliste. Tiefkühlgemüse erhält seine Vitamine bis zum auftauen komplett. Da das Gemüse ab Ernte eingefroren wird, sind dort mehr Nährstoffe vorhanden als im "frischen" Blumenkohl.
Am Besten ist natürlich wenn das Grünzeug aus dem eigenen Garten kommt.

Trick 10 - Kundenbindungsmittel
So nennt man vorallem die Kärtchen, die wir von diversen Dönerständen kennen (Jeder 11. Döner gratis) oder von grossen Ketten die "Sammelkarten" (Z.b 1.- CHF = 100 Punkte bei...).
Vorallem letzt genanntes ist gefährlich - viele Unternehmen nehmen zwar den Datenschutz gegenüber Dritten ernst, benutzen die dadurch gesammelten Kundendaten jedoch für ungefragte interne Erhebungen und Kundenprofile.
Zudem wird man dadurch eher verleitet, bei einem Laden ständig einzukaufen - man hat ja dort schon seine x-tausend Punkte.

Trick 11 - Lockvogel-Prinzip
Vorallem Discounter nutzen dies.
Angeboten werden Produkte, die jeder kennt, vorzugsweise Markenartikel. Diese werden zu Schleuderpreisen herausgehauen, mit denen der Detaillist oft Verlust macht.
Das lockt natürlich massenhaft Kunden an. Und die Meisten davon werden auch ihren restlichen Einkauf dort erledigen. Im Gegenzug zu den Spottpreisen der Angebote ist das restliche Sortiment zumeist etwas teurer oder gar gleich teuer wie bei der Supermarktkonkurrenz.


Das waren mal so in Etwa die wichtigsten Dinge, die man beachten sollte.
Und es gilt; Einkaufszettel schreiben, und nur das kaufen, was DA drauf steht!
Vergesst nicht, immer die Zutatenliste zu beachten. Manch ein Produkt dass "fettarm" ist, ist im Gegenzug vollgepumpt mit Kohlenhydraten.
Und die meisten Produkte sind sowieso vollgepumpt mit irgendwelchen E-Nummern, Carrageen und weissichnichtnochwas.

Also Obacht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hallo lieber Leser!

Ich möchte dich natürlich wissen lassen, dass die Kommentarfunktion hier gewissermassen eine Diskussionplattform bieten soll.
Um ein grosses Durcheinander zu vermeiden, werden Kommentare zuerst von mir gelesen, und dann freigegeben.
Bitte beziehe dich hauptsächlich auf das kommentierte Thema. Sollten aber dynamische Diskussionen entstehen, wird dies sicherlich nicht gleich gelöscht.

Vermeide aber bitte Einzeiler und nicht Themen-relevante Beiträge.
Für Kritik, Lob und Anregungen bin ich offen und dankbar!

Sascha